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„Wir sind die selbstgebaute Variante des Freiluft-Events“

Undine Spillner

Festivalmitinitiatorin Undine Spillner muss sich für die zweite Ausgabe des „Transit“ in Klempenow noch größere Ohrenschützer für ihr Kind organisieren. Ansonsten steht alles für zwei Tage Musik im Tollensetal bereit. Foto: Ralph Schipke

Eine mittelalterliche Burg, regionales Essen und gute, vielseitige Sänger und Instrumentalisten aus Nah und Fern – viel mehr braucht ein Musik-Wochenende auf Burg Klempenow eigentlich nicht. Natürlich Zuhörer und Mittänzer. Was die am kommenden Wochenende erwartet erfuhr Ralph Schipke von Undine Spillner, „Pressetante“ und Mitorganisatorin des bereits 2. Transit-Festivals.

Ist euer Transit-Festival eigentlich nur etwas für Durchreisende oder finden auch bodenständige Musikfreunde ihren Teil zum Hören, Tanzen und Mitsingen?
Wir sind natürlich ein Begegnungsort für Durchreisende, die von Berlin an die Ostsee wollen oder zurück, da wir an zwei wichtigen Transitstraßen durch Mecklenburg-Vorpommern liegen. Kultur-Transit 96 will ja ein Ort der Begegnung und des Austausches für alle sein, die vorüber fahren, sich aber mit dem Umfeld hier berühren möchten. Durch so ein Aufeinandertreffen und auch die Reibung von verschiedenen Kulturen und unbekannten Welten könnte etwas Neues entstehen, stellen wir uns vor. Das passiert musikalisch beim „Transit“: Ein eingefleischter Bluesfreund kommt hier genauso auf seine vegetarischen Kosten, wie die urbane Reggae-Tänzerin oder der Rocker vom Lande. Vor einem Jahr zur Premiere haben wir gemerkt, dass alles zwischen 60 und drei wie wild miteinander rumgesprungen ist und einfach Spaß am Tanzen, der Musik und der Stimmung hatte. Wir versuchen erneut, ein Programm anzubieten, das schwellenarm und trotzdem hochwertig ist.

Wo will sich das Musikevent auf Burg Klempenow etwa zwischen „Immergut“ und „Fusion“ ungefähr einordnen?
(Echtes Ziegengemecker aus dem Hintergrund.) Wir sind die selbstgebaute Variante unter den Freiluftevents im Lande. Uns geht es gar nicht um einen Vergleich oder Wettstreit. Die „Fusion“ ist einfach ein großer Kosmos und wir sind ein eher ein familiäreres Fest mit Tanz, Musik und Badespaß. Sozusagen eine „immergute“musikalische Fusion zwischen den Höhepunkten.

Hat sich eigentlich Edward der „Flötenspieler“ Snowden aus Moskau bei euch gemeldet, dem ihr ja im Vorjahr einen Platz im Transit-Raum reserviert hattet?
Ach der Flötenspieler – wir haben inzwischen verschiedene Betten für ihn aufgebaut und arbeiten daran, dass auch dieser Mensch überall in der Welt frei leben und übernachten kann – auch bei uns. Es geht in unserem Transit-Bereich darum, dass nicht nur gejagte Flötenspieler zur Rast kommen, sondern dass unser Landstrich ein Ort sein sollte, wo Menschen, die eigentlich irgendwo an den Mauern und Zäunen Europas nicht weiterkommen, ein Zuhause finden könnten in so einer menschenleeren Region, wie hier.

Von wo nach wo reisen Bands beim „Transit“ via Klempenow in diesem Jahr?
Wir befinden uns ja in Klempenow am „Ort der Begegnung zwischen Moskau und Lampedusa“. Da ist das Spekrtum weit. Wir haben diesmal die beliebteste polnische Bluessängerin als Gast – Magda Piskorczyk. Sie hat in Memphis/USA bei einem Blues-Contest „Silber“ geholt. Das Programm ist diesmal auch regional, doch sehr hochwertig zb. besuchen uns „ Die Reise“. die „Looney Roots“ und „Bob Beeman“. Von der Spree kommt an die Tollense „Rataöska“. Die waren in Berlin Headliner bei der „Wir haben es satt Demo“ der großen Umwelt-, Natur- und Tierschutzverbänden gegen die Massentierhaltung und für eine Agrarwende. Die „Rider’s Connection“ mit ihrer Herz- und Weltmusik im Beatbox-Sound sind auch aus der Hauptstadt.
Außerdem freuen wir uns auf „Vögel die Erde essen“ aus Dresden. Alle anderen kommen aus M-V. Wir repräsentieren ein wenig die Band-Breite unseres Landes. Reiner Zufall, der sich in der Programmkomposition ergeben hat.
Nicht zu vergessen, es gibt auch Elektronische Musik: E. Muzolé und Rodeo und DJ Ausbruch.

Habt Ihr einen Plan B, wenn gerade am Festival-Wochenende die Welt untergehen sollte und Gewitter das Tollensetal als Transitraum okkupieren?
Wir haben unseren wunderschönen Erdbeben- und Regensicheren Kulturstall als Refugium. Dazu bietet die Burg, die ja schon 1231 von den pommerschen Herzögen erbaut wurde und also eine feste Burg ist, jede Menge Räumlichkeiten, Sonnensegel und Regendächer. Aber das Wetter wird gut! Ich hab‘ schon geguckt!

Bekommt das eigene Kind fürs Festival wieder ein Satz warme Ohren, wie im Vorjahr, damit es bei den nicht nur melodiösen und sanften Geräuschen gut schlafen kann?
Ich brauche unbedingt noch gesunde Kopfhörer, die für den inzwischen anderthalbjährigen Kopf passen. Ansonsten habe ich Großmutter und Großvater als Festival-Kinder-Betreuung für das Baby und das große Kind.

Kurz zusammengefasst: Wann geht es richtig los, was muss ich unbedingt mitbringen, wer sollte mich nicht begleiten?
Einlass ist am Freitag ab 16 Uhr. Im Wochenend-Ticket ist Camping inklusive – also wären Zelt und Schlafsack nicht schlecht. Alle Gäste werden mit regionalen, selbstgemachten Leckereien gut versorgt. Für das leibliche Wohl gibt es nicht nur vegetarische Würstchen, auch erlesene Torten und Kuchen aus dem Burg-Café. Wir haben „Laut gegen Nazis“ dabei, eine Initiative, die bei fast allen Festivals vertreten ist und das „Nein“ gegen jeglichen Faschismus aus der Musikbranche repräsentieren. Die sind sehr freundlich. Sonst wird niemand ausgegrenzt, aus unserem Transit-Raum in der freien Natur.
2013_spass
Info: Das 2.Transit (11. Juli) Transit-Festival auf Burg Klempenow startet am kommenden Freitag um 17 Uhr mit „Romni“. Bis Sonntag morgen wird Musik unterschiedlichster Genre geboten. Abschluss findet das kleine, familiäre Musikfest beim Sonntagsfrühstück mit „Balkanbeat-World mit DJ Urtica.
Karten und das komplette Programm unter: www.transit-festival.de

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